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HerzMythen   

Schluss mit Märchen

 

Waldverjüngung am Lusen

 

 

Ist das Fichtenabsterben eine Folge des Nationalparks?

 

Großflächige Kalamitäten durch Borkenkäfer sind ein globales Thema.
Der Mountain Pine Beetle brachte in der kanadischen Provinz British Columbia großflächig Kiefernwälder zum Absterben. Die betroffene Fläche ist größer als England (siehe Karte).

 

Karte British Columbia
Karte von British Columbia und Kahlflächen durch Borkenkäferfraß

 

In Bayern sind in Westmittelfranken durch den Buchdrucker 6000 ha Kahlflächen entstanden. Große Borkenkäferflächen gibt es über ganz Bayern verstreut (z. B. in Rothenburg ob der Tauber oder dem Ebersberger Forst).
Die Gründe sind immer die gleichen: Der Mensch hat den Koniferenanteil in den letzten 100 Jahren deutlich erhöht - und zwar weltweit.

Aus Sicht der Koniferenprimärschädlinge wie dem Fichtenborkenkäfer Ips typographus wurden optimale Bedingungen geschaffen: großflächige Nadelholzreinbestände mit hohem Vorrat, die jetzt für die Schädlinge das richtige Alter haben.
Im Nationalpark, der keinen wirtschaftlichen Zwängen unterliegt, wurde dieser Entwicklung freien Lauf gelassen. Ein Übergreifen auf die benachbarten Staatswälder ist nicht bekannt.
Die Borkenkäferprobleme im Kleinprivatwald sind nach Aussage der Betreuungsförster oft hausgemacht.

 

 

 

Braucht die Natur unsere Hilfe gegen Buchdrucker & Co.?

 

Getreu dem alten Motto „Am schönsten hat´s die Forstpartie, es wächst der Wald auch ohne sie“ braucht auch der Wald keine menschliche Hilfe, um sich zu erneuern.
Dies lässt sich zum einen durch handfeste Zahlen über die regelmäßige Waldinventur im Nationalpark belegen, zum anderen genügt das bloße Auge, um den neuen Wald zu sehen. Übrigens wächst auf einem Hektar sog. „Totholzfläche“ mehr junger Wald, als ein Förster im Wirtschaftswald pflanzen lassen würde.
Während sich in den wärmebegünstigten Hanglagen vor allem die Buche durchsetzt, entsteht in Höhen über 1100 m wieder reiner Fichtenwald, der sog. “Fichtenhochlagenwald“.

 

Walderneuerung
Typisches Bild aus den Hochlagen rund um den Lusen

 

Aus historischen Schriften oder durch Gemälde von Heimatmalern geht eindeutig hervor, dass der Wald im heutigen Nationalpark schon immer dem Werden und Vergehen ausgesetzt war. Zudem war der Wald vor 150 Jahren noch deutlich totholzreicher, was darauf schließen lässt, dass die derzeitigen Borkenkäferflächen natürlich sind und zum System eines Fichtenwaldes dazugehören.

 

 

 

Sind abgestorbene Fichtenflächen eine ökologische Wüste?

 

Oft zitiert, aber grundlegend falsch.

Eindeutiger Gewinner auf den Borkenkäferflächen ist die Artenvielfalt! Untersuchungen beweisen, dass durch den Borkenkäfer neue Strukturen wie liegendes und stehendes Totholz entstanden sind. Dadurch steigt die Artenvielfalt enorm.

 

Untersuchung im Fichtenwald Untersuchung auf Borkenkäferfläche
Insektenprobe1
Insektenprobe2

Untersuchungen an Insektengruppen im geschlossenen Fichtenwald und auf Borkenkäferfläche

 

40% aller Organismen reagieren positiv auf die Auflichtung, 10 % negativ, die restlichen 50% bemerken die Veränderung nicht!

 

Der Nationalpark Bayerischer Wald leistet damit einen zentralen Beitrag für den Erhalt der einheimischen Artenvielfalt und ist ein wichtiger Beitrag Bayerns für die nationale Biodiversitätsstrategie.

 

Rauhfußkauz

Bruthabitat für den Rauhfußkauz

 

Dass tote Bäume nicht mit einem toten Wald gleichzusetzen sind, verdeutlicht obige Abbildung. Ein Rauhfußkauz hat inmitten der Borkenkäferflächen eine Bruthöhle bezogen.


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Zur Vertiefung

 

Artikel vom 15.07.2010 in der PNP (pdf):

Borkenkäfer hilft seltenen Arten - Neue Studien belegen Wichtigkeit von Walddynamik


 

 

 

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