Aktuell:
Protest gegen Kahlschläge im Nationalpark Sumava
Der AK Nationalpark unterstützt den offenen Brief der Czech Ecological Society (>> hier online unterzeichnen!).
Weitere Protest-Aktion:
>> Online-Petition der Friends of the Earth International (FoEI)
vgl. hierzu auch die >> deutsche Informationsseite des BUND
Im tschechischen Nationalpark Sumava drohen enorme Kahlschläge quer durch das Schutzgebiet. Nicht nur in alten Bergwäldern, in denen bis dato ein absolutes Eingriffsverbot galt. Auch bei Smrcina an der österreichischen Grenze soll großflächige Eingriffe erfolgen. Zufällig plant die südböhmische Regionalregierung hier einen Skilift und Skipisten.
Offiziell will man mit dieser Maßnahme der Ausbreitung des Borkenkäfers entgegenwirken. Doch dies ist wohl vor allem ein willkommener Vorwand, den Holzeinschlag im Schutzgebiet zuzulassen und die touristische Entwicklung zu ermöglichen. Damit wird das bewährte Prinzip „Natur Natur sein lassen“ auf den Kopf gestellt und wertvolle Schutzgebiete durch unnötigen Holzeinschlag schwer beschädigt.
Im Gegensatz dazu hat sich der Nationalpark Bayerischer Wald seinen international hervorragenden Ruf vor allem durch das Laufenlassen ökologischer Prozesse erworben. Dieses Zulassen von Dynamik hat dazu geführt, dass der Nationalpark Bayerischer Wald zu Recht als Leuchtturmprojekt bayerischer Naturschutzpolitik bezeichnet wird. Gemeinsam mit dem tschechischen Nationalpark Sumava besteht so mitten in Europa die Chance grenzüberschreitend der Natur für eine ungestörte Entwicklung den möglichen Raum zu geben. Ein sozusagen grenzüberschreitender Nationalpark, in dem „Natur Natur sein darf“, wäre nicht nur für die Natur ein echter Gewinn, sondern würde auch eine erhebliche Prestigesteigerung mit sich bringen.
Auch für eine gemeinsame Regionalentwicklung und den Tourismus wäre dies ein überaus wichtiger Faktor. Die positive Wirkung auf die regionale Wirtschaft durch den Nationalpark Bayerischer Wald wurde z.B. durch die Studie von Prof. Job eindrucksvoll belegt. Allerdings erwarten die Besucher eines Nationalparks auch ungestörte Naturprozesse und keinen verkappten Wirtschaftswald. Eine derartige „Mogelpackung“ würde schnell ihren Reiz verlieren und auch die Ernsthaftigkeit bayerischer Naturschutzpolitik in Frage stellen.
Die von Nationalparkleiter Jan Strasky getätigte Aussage „"Die Natur ist der Feind und deshalb muss sie bekämpft werden. Hätten meine Vorfahren nicht gegen diverse Tiere gekämpft, wäre ich heute nicht hier." und die von ihm eingeleitete massive Borkenkäferbekämpfung zeigen eindeutig, dass hier der Nationalparkgedanke nicht nur unterwandert, sondern sogar völlig missachtet wird. Hier steht nicht „Natur Natur sein lassen“ im Vordergrund sondern der Wille den Nationalpark Sumava zur inhaltslosen Hülle zu machen.
Jens Schlüter,
AK Nationalpark
12.08.2011
In Tschechien gibt es derzeit hitzige Diskussionen um das Borkenkäfermanagement im Nationalpark Sumava. Der neue Nationalparkdirektor Jan Strasky hatte nach seinem Amtsantritt im Februar dem Borkenkäfer und gleichzeitig dem Nationalparkgedanken „Natur Natur sein lassen“ den Kampf angesagt. So will er zukünftig auch in den Kernzonen des Nationalparks Holz einschlagen lassen und zusätzlich Gift gegen den Borkenkäfer verwenden. Nach Meinung des AK Nationalpark wäre dies eine Bankrotterklärung für den Nationalpark Sumava und für den Naturschutz im Grenzgebirge Böhmischer/Bayerischer Wald.
Sogar sieben Ex-Umweltminister warnten den aktuellen Umweltminister Tomas Chalupa in einem Brief vor den negativen Folgen des von Jan Strasky geforderten Borkenkäfermanagement.
Wir bitten Sie daher, den offenen Brief der Czech Ecological Society zu unterschreiben (siehe Link oben) und damit den Nationalpark Sumava zu unterstützen.
Jens Schlüter
02.05.2011
Die Vereinten Nationen haben 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt, um einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Wälder weltweit zu leisten. Der von Bundesregierung, Ländern, Wirtschaft und zahlreichen Verbänden getragene deutsche Beitrag zum Internationalen Jahr der Wälder soll den Wald als faszinierenden Naturraum und lebendigen Wirtschaftszweig erfahrbar machen.
Besonders faszinierend sind von der menschlichen Nutzung ungestörte Wälder. Denn neben der Erfahrung und Faszination, die sie uns Menschen geben, sind diese Wälder auch ein unabdingbarer Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.
Denn der Wald ist nicht primär ein Wirtschaftsgut für die Holzindustrie, er ist vor allem ein Refugium für viele seltene Pflanzen und Tiere. Darunter bedrohte Arten wie Luchs, Wildkatze, Rauhfußkauz und Grauspecht. Der Wald hat eine wichtige Funktion beim Klimaschutz und ist ein unverzichtbarer Erholungsraum für die Bevölkerung. Auch Deutschland müsse beim Waldschutz zulegen, so die Vereinten Nationen. Nadelforste müssten in Mischwälder umgewandelt, Waldmoore renaturiert und mindestens fünf Prozent der Waldfläche aus der Nutzung genommen und als künftige Urwälder geschützt werden.
Der Nationalpark Bayerischer Wald geht hier mit gutem Beispiel voran. So sollen bis zum Jahr 2027 75 % der Nationalparkfläche sich selbst überlassen werden. So hat der Wald die einmalige Chance, sich wieder zu einem echten Urwald für unsere Kinder zu entwickeln. Denn nirgendwo sonst kann man die faszinierende Dynamik sich selbst überlassener Waldökosysteme besser erleben als in einem echten Nationalpark. Wir brauchen Wald–Nationalparks, um uns Menschen vor Augen zu führen, was in nicht bewirtschafteten Wäldern ablaufen würde.
Besonders wichtig für viele Lebensgemeinschaften in den Wäldern sind vor allem das Baumhöhlenangebot und das Vorkommen von Totholz.
Baumhöhlen sind ein wichtiger Grundstein für eine Artenvielfalt im Wald. Sie stehen hauptsächlich in alten Wäldern zur Verfügung und werden von einer ganzen Reihe spezialisierter Säugetierarten wie Fledermäusen, aber auch von vielen Insekten und Vögeln benutzt. Die wichtigsten Höhlenbauer im Nationalpark sind Spechte; vor allem Bunt-, Dreizehen- und Schwarzspecht schaffen Wohnraum für unzählige Nachmieter, zu denen unter anderem fast alle Meisenarten wie Kohlmeise oder Blaumeise, der Kleiber, der Trauerschnäpper oder auch der Sperlingskauz zählen. Das Angebot an Großhöhlen begrenzt oft das Vorkommen größerer Höhlenbrüter wie Hohltaube und Rauhfußkauz.
Das Totholz schließlich ist ein charakteristisches Merkmal natürlicher Wälder. Grob betrachtet kann es in stehendes Totholz, Trockentotholz (also nicht umgefallene abgestorbene Bäume oder deren Teile) und liegendes Totholz, das auch als Moderholz bezeichnet wird, eingeteilt werden. Es spielt im Ökosystem Wald eine zentrale Rolle, denn es bildet die Lebensgrundlage für eine Fülle von Arten. Dabei ist stehendes Totholz in unseren Wirtschaftswäldern besonders begrenzt vorhanden, bietet aber oft die größte Vielfalt an Lebensraumnischen. In Urwäldern entsteht großvolumiges Totholz ständig durch den Alterstod der Bäume, Katastrophenereignisse, durch massenhaftes Auftreten von Insekten und durch andere Umwelteinflüsse. Ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel, der dem Verbleib von Totholz im Wald einen höheren Stellenwert einräumt und sich mehr vom Bild des scheinbar sauberen Waldes löst, ist dringend erforderlich.
Jens Schlüter
Sprecher des Arbeitskreises Nationalpark
Zur Vertiefung
Passauer Neue Presse, 17.05.2011: "Protest gegen Borkenkäfer-Plan" (pdf)
Video über die Borkenkäfer-Bekämpfung am Lackenberg im Nationalpark Bayerischer Wald (November 2009)
Zur Vertiefung
Eine neue Greenpeace-Studie zeigt, wie Buchenwälder in Deutschland zukünftig geschützt werden sollten:
Zur Buchenwaldstudie von Greenpeace

